Unternehmungen, Anstrengungen
Ich hoffe, Sie haben etwas Zeit...
Die Entwicklung von Reflex und meine eigene Karriere sind eng miteinander verbunden - die Überschrift könnte auch so lauten: Geschichte der Unternehmungen / Anstrengungen von Lajos Énekes.
Vorausgegangenes - 1966-1983
Die Wurzeln des Reflex Übersetzungsbüros reichen, im Grunde bis zu einer Liebe in meiner Kindheit zurück. Als Kind habe ich jeden Sommer einige Wochen im Haus meiner Großeltern in Pősténypuszta (das ist ein kleines Dorf im Komitat Nógrád, bei Szécsény) verbracht. Bei der einen Nachbarfamilie war häufig Gabi zu Besuch - ein hübsches Mädchen mit braunen Haaren, aus Vác - die mir sehr gefiel. Die Sache hatte nur einen Haken: Ich war erst 13 Jahre alt, sie aber war 4 Jahre älter. Unabhängig davon bemühte ich mich, so oft es nur ging, in ihrer Nähe zu sein. Sie hat meine "Annäherungsversuche" verständnisvoll, mit etwas Bemutterung gemischt aufgenommen. Gabi besuchte im Gymnasium eine Französisch-Spezialklasse. Es war für mich klar, dass mich auch nur die Fremdsprache interessiert, die sie erlernt.
In Miskolc begann ich bei TIT (Populärwissenschaftliche Gemeinschaft), beim Herrn Lehrer Lajos Felici den ersten Sprachkurs meines Lebens zu besuchen. Von ihm habe ich zwar nicht viel gelernt, aber seine Renaissance-Persönlichkeit, seine wunderbaren Reisebeschreibungen haben mich beeindruckt - wir schrieben damals 1966! Das Interesse für die französische Sprache ist auf jeden Fall erhalten geblieben und als sich der Grundschule die Frage des Weiterlernens stellte, habe ich mich für das Kilián-György-Gymnasium entschieden, wo es eine Französische Fakultät gab.
Ich habe mich richtig entschieden, denn die Jahre im Gymnasium waren wunderbar! Ich denke sehr herzlich an meine Klassenkameraden und an die großartigen Lehrer zurück, von denen ich lernen durfte.
Der nächste Schritt in Richtung Gründung des Übersetzungsbüros ist einer unglücklichen Idee von mir zu verdanken. Am Ende der 2. Klasse im Gymnasium habe mir in den Sommerferien ausgedacht: Was währe, wenn ich Hütteningenieur würde? Mein Pflegevater, den ich bis zu seinem Tode wie meinen leiblichen Vater liebte und an den ich auch seitdem so denke, war im Hinblick auf seinen Ausbildungsabschluss ebenfalls Hütteningenieur.
Dieser Entschluss war komisch, weil ich eigentlich immer einen Hang in die humane Richtung hatte. Meine Eltern haben sich aber über die Gelegenheit gefreut, dass ihr einziges Kind auch nach dem Abitur bei ihnen bleiben kann, denn das Hütteningenieursstudium fand (wie auch derzeit) in Miskolc statt.
Ich habe mich in Mathe und Physik etwas zusammengerissen und wurde, 1972 mit 11,5 Punkten (zu so viel hat es gereicht - damals betrug die Höchstpunktezahl 20), an der Technischen Universität für Schwerindustrie, Fakultät Metallurgie aufgenommen.
Technische Universität hatte mindestens drei Vorteile:
- Ich war dazu gezwungen, in einer breiten Skala technische Fächer zu hören - angefangen von Mineralien bis zu den verschiedenen Rechner-Programmiersprachen. Als ich nach einigen Jahren, als Übersetzer verschiedenste technische und wirtschaftliche Texte übersetzt habe, "grüßten" mich die ungarischen Äquivalente geradezu als gute (oder eher schlechte :-)) Bekannte wieder.
- Gegen die Flut an technischen Kenntnissen habe ich mich mit dem Lesen einer riesigen Menge von Belletristik-Werken und mit der Entwicklung meiner französischen Sprachkenntnisse gewehrt. Ich war noch Student, als ich in Französisch die staatliche Sprachprüfung abgelegt habe.
- Die insgesamt negative Bilanz wird dadurch verbessert, dass ich hier meine Frau kennen gelernt habe, die 3 Jahre nach mir, ebenfalls als Diplomingenier für Metallurgie ihren Abschluss gemacht hat und wir leben seit 26 Jahren in glücklicher Ehe zusammen.
1978 habe ich - nachdem ich ein Wiederholungssemester weghatte - mein Diplom entgegen genommen. (An diesem Tag spürte ich die größte Befreiung meines Lebens.)
Den August habe ich, als Teilnehmer eines Intensivsprachkurses Deutsch noch an der Universität verbracht. Zu Beginn des konnte ich kein Wort Deutsch, nach einem Monat war ich jedoch in der Lage etwas auf der Grundstufe, mit unseren Gästen aus der DDR zu kommunizieren - das war ein tolles Gefühl!
Im Herbst habe ich bei den Drahtwerken "4. Dezember" in Miskolc, als Ingenieur-Praktikant angefangen. Ich bin als guter Bekannter zurückgekommen, denn zuvor, als ich auf die Semesterwiederholung wartete - habe ich hier schon 6 Monate als Maschinenarbeiter bzw. Ofenbediener gearbeitet. Letztendlich habe ich nur ein Jahr in der Drahtfabrik, in der damaligen großartigen Gemeinschaft verbracht. Es geschah nämlich, dass ich von einem Freund aus der Kindheit erfuhr, dass es ihm gelungen ist, eine 1-jährige Studienreise in die DDR anzutreten. Er berichtete mir, dass man gut die Sprache erlernen könne und dass der Verdienst auch nicht schlecht sei. Ich habe Lust auf die Sache verspürt und es ist mir auch gelungen einen Partner zu finden, der mich einlud. Im Oktober 1979 fuhr ich in das einige Kilometer von Dresden entfernt liegende Freital, in das dortige Stahlwerk mit dem Namen VEB Edelstahlwerk "8. Mai 1945". Hier war ich eine Zeit lang Schmelzer, dann habe ich im Rahmen des zwischenstaatlichen Abkommens, den in der DDR arbeitenden ungarischen Facharbeitern beim Deutsch-Unterricht geholfen, später stand ich in der Abteilung Absatz rum, wie in diesem gesellschaftlichen System, unabhängig vom Land, so viele. Ich habe die Zeit hauptsächlich mit Deutschlernen verbracht.
Meinen für ein Jahr geplanten Aufenthalt musste ich im Frühling 1980, nach 7 Monaten beenden, denn ich wurde als Soldat einberufen.
Noch während der 4-monatigen Grundausbildung habe ich meine deutsche Sprachprüfung abgelegt. Dank meines Universitätsdiploms wurde ich nach der Grundausbildung zum Unteroffizier befördert. Danach habe ich praktisch 8 Stunden auf der Befehlsstelle der II. Ungarischen Luftabwehr-Division, in der Bocskai-Kaserne in Miskolc gearbeitet.
Mit dieser Institution sind meine ersten Übersetzungen verbunden, da ein Flieger-Oberstleutnant mir regelmäßig auftrug, aus westdeutschen Fachzeitschriften (Flugrevue-Flugwelt), Artikel über verschiedene amerikanische Jagdflugzeuge zu übersetzen. Diese Beschäftigung lag mir, denn das Fliegen hat mich schon immer sehr interessiert. Da kam mir erstmals der Gedanke, mich mit Übersetzung zu beschäftigen. Gegen Ende meines 14-monatigen Militärdienstes, habe ich ein Angebot vom Lehrstuhl für Metallurgie erhalten, dass ich nach meinem Abschied bei ihnen, als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeiten sollte. Das Angebot wurde zwar mit meinen beiden Sprachprüfungen begründet, aber ich war überrascht, dass man gerade an mich gedacht hatte. Nach einigem Zögern und auf den Druck der Familie, an dem auch schon meine junge Frau beteiligt war, habe ich letztendlich zugesagt und mich selbst davon überzeugt, dass ich dann schon mit der Aufgabe wachsen werde (es ist mir nicht gelungen).
Im September 1981 trat ich die Arbeit an der Universität an. Ich habe mich sofort beim OMKDK (Ungarische Technische Bibliothek und Dokumentationszentrum), später beim Universitätsübersetzungsbüro OMIKK als deutscher und französischer Übersetzer angemeldet. Von diesen Einrichtungen habe ich immer regelmäßiger Arbeit bekommen.
Im Januar 1982 habe ich an einem einmonatigen Intensivsprachkurs in Englisch teilgenommen. In dieser Sprache habe ich zwar keine Sprachprüfung abgelegt, aber sie ist nach dem Deutschen, später allmählich an den 2. Platze gerückt, während ich meine Französisch-Kenntnisse auf den 3. Platz einstufe. Der Grund dafür ist das fast völlige Fehlen der Möglichkeit zum Üben.
Nach einigen Monaten des Übersetzens, habe ich irgendwoher erfahren, wie viel ein Übersetzungsbüro für eine Seite in Rechnung stellt - ich habe nur weniger als die Hälfte bekommen - deshalb habe ich mich entschieden, dass ich lieber selbst auch ein Übersetzungsbüro eröffne, weil dann der gesamte Betrag bei mir verbleibt.
Anfang 1982 habe ich, als Nebenbeschäftigung, das Lajos Énekes Fachübersetzungsbüro für Metallurgie gegründet. Natürlich war das damals doch nicht so einfach, wie sich das ein heutiger Jungendlicher vorstellt (82 hatten wir noch nicht mal den Namen von Gorbatschow gehört). Ich habe versucht, mich bei den umliegenden metallurgischen Großunternehmen zu verkaufen - mit einigem Erfolg: Mein Erlös belief sich im ersten Jahr auf fast 40 Tsd. Ft im Vergleich dazu habe ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter pro Monat ca. 3500 mit nach Hause genommen.
1983 - 1989
Kaum dass ich ein Jahr gearbeitet habe, erschien der erste Personal Computer, der IBM PC. Reisende, die mit IBUSZ (das war das größte und natürlich staatliche Reisebüro) oder als Touristen (das war aller 3 Jahre möglich) ins westliche Ausland fuhren, begannen kleine Computer und andere Geräte einzuführen, so z.B. die verschiedenen Typen des Commodore und sie verkauften diese, über die Geschäfte des Kommissionswahrenhaus-Unternehmens oder über die Läden von einigen anderen kleinen Unternehmen, an staatliche Firmen, die wegen Mangels an konvertiblen Valuten nicht in der Lage waren, solche Produkte zu beschaffen. Diese Rechentechnikausrüstungen wurden großteils aus dem deutschen Sprachraum, in erster Linie aus Österreich eingeführt, natürlich mit deutscher Dokumentation. Für die kaufenden Firmen verursachte das Fehlen der ungarischen Übersetzung ein großes Problem. Es ist mir gelungen, bei einem Fachgeschäft in Miskolc (die Fotoelektronik), für eine gewisse (persönliche) Provision (Schmiergeld), meine Übersetzungen zu vertreiben. Als erstes habe ich das Bedienungshandbuch des Heimcomputers Commodore VC 20 aus dem Deutschen übersetzt. Die Vervielfältigung hat ein Bekannter übernommen, der bei einem Großunternehmen als Drucker arbeitete, das tat er natürlich für gutes Geld (das in seine eigene Tasche wanderte). Anfangs habe ich nicht gewagt, mehr als 10 Exemplare zu "bestellen", danach wurden von den nächsten Übersetzungen jeweils 50 Exemplare hergestellt. Gemeinsam mit meiner Frau haben wir zu Hause die 250-300 Seiten zusammengestellt, dann haben wir meine "Werke" von einem Buchbinder einbinden lassen. Für ein Stück habe ich 3.000 - 5.000 Ft "eingeheimst". (Bitte vergleichen Sie den Betrag mit meinem damaligen Gehalt.) Das so verdiente Geld hat unser sich im Bau befindliches Haus verschlungen.

Von diesen Erfolgen angespornt, haben wir Ende 1983 mit meiner Frau die Wirtschaftsgemeinschaft SZÁMFORD gegründet, ab dem 1. Dezember bin ich dann deren hauptberuflicher Mitarbeiter geworden, denn mein Universitätsarbeitsverhältnis habe ich aufgegeben. Mein Büro, das aus einem Schreibtisch und einem Bücherregal bestand, richtete ich in einem Zimmer unserer Wohnung ein. Über meine früher angefertigten Übersetzungen habe ich mehrere hundert Firmen benachrichtigt. Dank dieser Aktion habe ich viele Bestellungen für fertiges Material, aber auch für neue Übersetzungen erhalten. Einige Firmen wurden zu meinen regelmäßigen Auftraggebern.
Nach einigen Monaten, im Frühjahr 1984 schickte mir mein damals größter Auftraggeber, die Mátraaljai Szénbányák einen Auftrag für die Übersetzung eines fast tausend Seiten langen Rechentechnik-Textes. Eine so große Menge hätte ich allein nur innerhalb von mehreren Monaten bewältigen können, deshalb war ich gezwungen externe Übersetzer mit einzubeziehen. In Miskolcer Zeitungen habe ich einige Annoncen geschaltet, auf diese haben sich etwa 20 Bewerber gemeldet. Wenn ich mich aus heutiger Sicht daran erinnere, ist es interessant, dass fast die Hälfte der Bewerber Übersetzer mit ausgezeichneten Fähigkeiten waren, mit einigen befinden wir uns auch heute noch im Kontakt. Wenn wir heute mit so einem Wirkungsgrad annoncieren könnten ...
Anfang 1985 haben auch mehrere große Firmen das Geschäft, das in der Herausgabe von Rechentechnik-Fachliteratur verbirgt, für sich entdeckt und reihenweise erschienen all die Bücher, mit deren Übersetzung auch wir uns beschäftigt haben. So ist unser Markt fast von einem Tag auf den anderen eingebrochen. Ich habe mich dafür entschieden, dass wir unsere Übersetzungsdienstleistung in Zukunft nicht mehr nur auf Rechentechnik beschränken, sondern dass wir uns in ein allgemeines Übersetzungsbüro umwandeln. Es schien zweckmäßig zu sein, dafür ein Büro in der Innenstadt zu mieten. Ich fand auf der Hauptstraße von Miskolc, in der Széchenyi út 54., im Hof eine kleine Wohnung, deren 10 m2 großes Zimmer für den Start geeignet schien. Ich habe den Firmennamen geändert - Reflex kann man sich ja wirklich besser merken, als Számford - ich ließ Firmenschilder anfertigen, habe ein Regal zusammengezimmert und das Büro mit einigen Möbeln von zu Hause eingerichtet.
Es hat mehrere Monate gedauert, bis der Umsatz langsam zu steigen begann.
Damals ließen auch Privatpersonen häufig übersetzen, hauptsächlich Bedienungsanweisungen, Einladungsschreiben (für die Reisen in den Westen) und Schenkungsurkunden. Die Schenkungsurkunden wurden von irgendeinem ausländischen Bekannten verfasst und im Beisein eines Notars unterschrieben. Ein Reisender, der technische Artikel von bedeutenderem Wert einführte, konnte damit bescheinigen, dass er auf legalem Wege an die konvertible Währung gekommen war. Natürlich waren 90 % der Schenkungsurkunden falsch, was jeder wusste, aber das gehörte eben zur "Folklore" von Ungarn in der späteren Kádár-Epoche.
In der Zwischenzeit kamen einige Rechentechnik-Lehrer von der Universität (einer davon hatte mich im Fach Algol-Programmierung, berechtigt, zur Wiederholung eines Semesters verdonnert) mit dem Anliegen zu mir, dass sie ein Schnittoptimierungsprogramm für den Commodore 64 entwickelt hätten und ob ich ihnen beim Verkauf helfen würde. Letztendlich wurde das Programm durch mein Mitwirken, erfolgreich an etwa 15 Unternehmen verkauft.
Anfang 1988 habe ich meine ersten beiden Mitarbeiter, Judit Schiffer und Kriszti Hornyák eingestellt, die abwechselnd, jeweils 4 Stunden pro Tag, einige Jahre mit mir gearbeitet haben. Das war eine große Sache, dass ich nicht mehr jeden Moment an das Büro gebunden war.
Ich habe die kontinuierliche Modernisierung unserer technischen Ausrüstung immer für wichtig erachtet. Die in der Kopfleiste des Menüpunktes "Übersetzung" abgebildete Hermes Schreibmaschine wurde nach einigen Jahren von einer Robotron abgewechselt, was eine derartige Veränderung bedeutete, als würde man vom Fahrrad auf ein Motorrad umsatteln. Das Schreibbild war einwandfrei, gestochen scharf, mit dem Reparaturband konnte man auf einen Tastendruck den falschen Anschlag berichtigen, der eingebaute Speicher aber reichte für ca. eine Textseite.
Aber mein wahrer Traum war ein Computer, denn damals habe ich noch aktiv übersetzt und ich wusste wie sehr er meine Arbeit erleichtern würde, von der Rechnungsausstellung und sonstigen Registrierungen ganz abgesehen. Für den Kauf meines ersten Computers (IBM PC 286 kompatibel, 256 kB RAM, 40 MB Festplatte, Monochrom-Monitor + Citizen Matrixdrucker) bin ich, mit dem ersten "Weltreisepass", mit meiner kleinen Familie nach München gefahren. (Meine Frau war da das erste Mal im Westen und meine 6-jährige Tochter ebenfalls.) Als Weltreisepass wurde allgemein gebräuchlich das Reisedokument genannt, das von der Grósz-Regierung 1988 eingeführt worden ist und das - erstmals seit 40 Jahren - für alle Länder gültig war. Die schwarz getauschten 3000 DM, die damals ca. 200 Tsd. Ft entsprachen und die heute etwa 2,2 - 2,4 Millionen Ft wert wären, haben wir im Benzintank unseres Skoda versteckt. Das Schenkungsurkunde, mit dem wir unsere Valuta legalisierten, hatte ich der Nettigkeit eines österreichischen Freundes zu verdanken.
1989 wurde die Reflex GMK um eine bedeutende Persönlichkeit reicher: Damals fing bei uns - 20-jährig - Erika Asztalos an, die wir lange fortschicken wollten, so ungeschickt war sie in den ersten anderthalb Jahren. Dank ihrer freundlichen, liebenswerten Persönlichkeit - und zum riesigen Glück von Reflex - waren wir geduldig!
Erika hat später eine bedeutende Entwicklungslaufbahn hinter sich gebracht und in zahlreichen Fällen hat sie ihre Kreativität und ihren maßlosen Kampfgeist unter Beweis gestellt. Ende der 90-er Jahre hat sie einen Eigentumsanteil an der Firma erlangt, seit einigen Jahren ist sie auch Geschäftsführerin und außer der Leitung des Büros in Miskolc untersteht ihr auch der Bereich Geschäftsentwicklung und Kundenkontakte.
Anfang 1989 kamen zwei Rechtsanwalt-Bekannte mit der Idee zu mir, ein Immobilienbüro zu eröffnen. Diese Tätigkeit wurde, wie ich mich erinnere, im Januar 1989 erstmals für Privatpersonen und Privatfirmen zugänglich gemacht. Unsere Vorstellung sah so aus, dass sie die juristische Arbeit leisten, wir aber bringen das Büro in der Innenstadt ein (damals haben wir schon die ganze, ca. 36 m2 große Wohnung genutzt) und wir beschäftigen uns mit den Kunden. Meine Frau verspürte Lust zu diesem neuen Geschäftsbereich. Sie hängte ihren Hauptberuf bei den Lenin Kohászati Művek (Hüttenwerke Lenin) an den Nagel und wurde auch zum hauptbeschäftigten Mitglied unserer Gesellschaft. Meine Frau hielt es ca. 2 Jahre aus, als sie an einem Wellental-Tiefpunkt aufgab und mir mitteilte, dass sie sich nicht weiter mit Privatimmobilien beschäftigen will. Sie ertrug nur schwer, dass manchmal die Schlange bis in den Hof reichte, aber kaum einer kaufen wollte (und von denen konnten wir unsere Provision auch kaum eintreiben). Das war ein Fehler. Das bekommt sie seitdem regelmäßig von mir zu hören.
Mit der Tätigkeit haben wir aber nicht aufgehört, wir haben uns nur nicht mehr mit Privatkunden beschäftigt. Wir haben jedoch mit der Immobilienwerteinschätzung und später mit der Vermittlung von Gewerbeimmobilien begonnen. Diese beiden neuen Tätigkeiten, besonders die Werteinschätzung bedeuteten eine unschätzbare Stütze für das Überleben der Firma um die politische Wende herum. Für die Vorprivatisierung waren nämlich viele Wereinschätzungen nötig und wir haben uns regelmäßig bei Ausschreibungen der Staatlichen Treuhandagentur und der Schatzkammer-Vermögensdirektion beworben und diese mehrfach auch gewonnen.
Der Immobilien-Tätigkeitsbereich beschränkt sich heutzutage nur noch auf die Werteinschätzung, diese wird von uns auch nur im Gebiet des Büros Miskolc vorgenommen.
1990 - 1997
Die Reflex GMK wurde 1990 in eine GmbH umgewandelt.
Innerhalb des Geschäftsbereiches Übersetzungen verkörperten bis 1990 staatliche Firmen, als Auftraggeber, einen steigenden Anteil, der innerhalb von ein-zwei Jahren, ganz bis zur politischen Wende bestimmend war. Damals waren, bei einem Jahreserlös von ca. 6 Mio. Ft (der entspricht einem heutigen Betrag von ca. 65 - 70 Mio. Ft.), das TVK (Tisza Chemie-kombinat), die Lenin Kohászati Művek (Hüttenwerke Lenin), die Ózdi Kohászati Üzemek (Hüttenwerke Ózd) und das Borsodnádasdi Lemezgyár (Blechwalzwerk Borsodnádasd) unsere größten Auftraggeber.
Danach folgte ein recht schwieriger Zeitraum, denn ca. 60 % unseres Umsatzes, der von den obigen Großunternehmen stammte, ist mit Ausnahme des TVK, die auch noch heute unsere Kunde ist, praktisch weggefallen. Unser Erlös aus den Übersetzungen ging auf weniger als die Hälfte zurück und begann erst 1992 wieder zu wachsen. Abgesehen von zwei Jahren ist die Steigerung seitdem ungebrochen.
Obwohl wir mit dem Immobilien-Geschäftsbereich in manchen Jahren gut verdient haben, erreichte der daraus stammende Erlös, sogar am Tiefpunkt des Übersetzungsbüros, nicht einmal 50 % des gesamten Umsatzes, nach der erneuten Stärkung der Übersetzungstätigkeit jedoch lag der Immobilien-Geschäftsbereich bei 5 - 10 %. Man kann also sagen, dass für die Reflex Kft. (GmbH) schon immer Übersetzung die bestimmende Tätigkeit war.
Im Herbst 1990 haben wir ein Büro in Siófok eröffnet, das ca. ein Jahr lang von mir geleitet wurde. Meine ursprüngliche Vorstellung bestand darin, dass ich mich mit Balaton-Immobilien und nebenbei mit Übersetzungen beschäftigen werde. In der Realität hat sich das so abgewandelt, dass ich innerhalb von wenigen Wochen so viele Übersetzungsaufträge erhielt, dass ich derer kaum Herr wurde, für die Beschäftigung mit den Immobilien verblieb mit jedoch keine Zeit.
Letztendlich bin ich auf Bitten meiner Frau nach einem Jahr wieder nach Miskolc zurückgekehrt, obwohl ich es lieber gesehen hätte, wenn wir nach Siófok zogen. Aber Frauen ziehen eben im Allgemeinen schwerer weiter.
Die Leitung der Niederlassung Siófok habe ich einer dortigen agilen Dame überlassen, die derartig "agil" war, dass sie innerhalb von 10 Monaten, mit der gleichen Tätigkeit ein eigenes Büro eröffnet hat.
Von dieser Unternehmung ist jedoch einige Jahre lang ein einträglicher Nebengeschäftszweig, in Form des ausgelagerten Übersetzungsbüros geblieben, das im Sommer im Polizeikommissariat Siófok und bis 1998 jedes Jahr, von Juni bis September geöffnet war. Dieses Übersetzungsbüro hat, bei Anzeigen von deutschen Touristen, die sie als Geschädigte verschiedener Straftaten (Autoeinbruch, Autodiebstahl, Einbruch usw.) gemacht haben, die ungarischsprachigen Protokolle ins Deutsche übersetzt. So konnten die deutschen Geschädigten, wenn sie nach Hause kamen gleich mit einer fertigen Übersetzung zur Versicherung gehen. Für die von mir ausgeführte Tätigkeit bestand ein recht großer Bedarf.
Das Fliegen mit Motorflugzeugen, das im früheren politischen System das Privileg von Wenigen war, hat mich schon in meiner Kindheit sehr interessiert. Später habe ich mir geschworen: Wenn man irgendwann auch für Flugzeuge so den Pilotenschein machen kann, wie für das Auto den Führerschein, dann lerne ich fliegen. Im Herbst 1991 habe ich den 30-stündigen Lehrgang mit dem hier abgebildeten Flugzeug absolviert und im Januar 1992 habe ich mein PPL Flugschein erhalten. Bis 1999 bin ich dann insgesamt ca. 100 Stunden mit verschiedenen Flugzeugtypen geflogen. Heute übt das Fliegen auf mich nicht mehr so eine große Anziehungskraft aus wie früher, aber sich schaue auch heute noch hoch, wenn ich das Brummen eines Flugzeugs höre.
In diesem Zeitabschnitt ging es im wesentlichen Teil meines Lebens um das Fliegen, so ist es kein Wunder, dass ich versucht habe, daraus Geld zu machen - in der Hoffnung, wenn es gelingt sollte, dann kann ich mich immer mit meinem Hobby beschäftigen.
Ich begann mit einem amerikanischen Partner in Ungarn gebrauchte Kleinflugzeuge zu verkaufen. Fast ein dreiviertel Jahr habe ich nur daran gearbeitet: Ich habe in Zeitungen annonciert, habe einen Führer für den Flugzeugkauf (Prospekt) drucken lassen, bin regelmäßig nach Budapest gefahren, um mit "ernstzunehmenden" Interessenten zu verhandeln und habe etwa 800 Tsd. Ft ausgegeben. Nebenbei habe ich jeden Monat mehrere Interviews gegeben - die Journalisten waren von der Idee so begeistert!
Schließlich hatten wir riesiges Glück, denn es ist mir gelungen eine Maschine an eine Firma in Eger zu verkaufen. Diese sollte für Rundflüge in der Umgebung von Eger eingesetzt werden. So haben wir wenigstens unsere Kosten wieder rein bekommen (die Arbeit aber war für mich Spaß :-)). (Typischerweise ist die Firma einige Monate später Pleite gegangen, wie damals so viele andere, die wie ein Komet aufstiegen und schnell wie eine Sternschuppen herunterfielen.)
Der Kaufpreis für das Flugzeug enthielt eine Reise nach Amerika, den dortigen Aufenthalt und die Kosten für die Überführung der ausgewählten Maschine nach Ungarn. Ich war auf diese Weise das erste Mal in Amerika, in San Francisco und habe mich bei dieser Reise auch das erste Mal mit meinem amerikanischen Partner getroffen. Der Auftraggeber hatte die hier abgebildete Maschine gewählt. Die Aufnahme wurde auf dem Flugplatz in Maklár, im Februar 1992 gemacht. Der junge Mann, auf dem Bild mit der 4-Sitzer Cessna 172, ist Ferrypilot Jeff Weesner, wer die Maschine über den Ozean flog. (Er hatte Glück: Da ständiger Rückenwind herrschte, bewältigte er den ansonsten 16 - 17 Stunden dauernden Flug innerhalb von 13 Stunden.)
Wie ein nüchternerer Glücksspieler, der gerade sein Geld zurück gewonnen hat, habe ich, ob ich wollte oder nicht, die Flugzeugbrokertätigkeit nach einigen Monaten aufgegeben. Danach hatte ich wochenlang geradezu Entzugserscheinungen ...
Der nächste und bis heute wichtigste Meilenstein im Leben von Reflex war die Eröffnung der Budapester Zweigstelle im Jahr 1997.
Obwohl der Umsatz des Büros in Miskolc in jedem Jahr gestiegen ist, kamen dennoch regelmäßig Wellentäler vor. In diesem Moment hat man immer das Gefühl, als hätten sich die Auftraggeber miteinander abgesprochen, um Reflex zu boykottieren. Dann vergehen einige Wochen und alles kommt wieder ins richtige Gleis. Auf jeden Fall ist diese Erscheinung sehr nervenaufreibend, weil man niemals weiß, wie lange sie andauert. (Diese Zyklen blieben durchweg bis in die letzten Jahre bestehen und erst in den vergangenen ein-zwei Jahren erscheint unser Umsatz ausgeglichener.)
Ich habe lange nachgedacht, was die Lösung dafür wäre und bin zu dem Schluss gekommen: Entweder wir machen etwas anderes in Miskolc oder wir machen das Gleiche wo anders. Da mir damals keine verwertbare neue Idee gekommen ist, beschloss ich, wir eröffnen eine Zweigstelle in Budapest - im Pendeln hatte ich ja sowieso schon einige Erfahrung gesammelt. Wir haben im ersten Stock des schönen Gebäudes, in der Andrássy út 13 eine Hofwohnung gekauft und im Januar 1997 habe ich das Budapester Büro eröffnet. Ich habe eine Annonce für den Arbeitsbereich Büroleiter aufgegeben, auf die sich so 20 - 25 Bewerber gemeldet haben.
Im Verlauf der Gespräche sind zwei Anwärter übrig geblieben. Zuerst hatte ich mich für den falschen entschieden.
Sie war ein Mädchen, das in Amerika aufgewachsen, vor kurzem nach Ungarn zurückgekommen ist und für sie war das der erste Arbeitsplatz. Ich dachte, es wäre gut einen Mitarbeiter bei der Firma zu haben, der das (amerikanische) Englisch auf Muttersprachen-Niveau spricht und habe nicht damit gerechnet, dass sie für Übersetzung aber völlig unbrauchbar sein wird. Als würde sie von einem fremden Planeten stammen ...
Sie war 2 Tage bei uns.
Ich war etwas aufgeregt, als ich Anikó Berta anrief, ob sie denn schon eine Arbeit gefunden habe. Zum Glück nicht. Ihre erste Frage lautete: Stimmt's, Sie haben nicht mich als Erste gewählt. Beschämt habe ich es zugegeben und ihr meine Argumentierung erklärt :-).
Anikó ist seit 10 Jahren die zweite bestimmende Persönlichkeit der Firma. Im Februar dieses Jahres habe ich ihr dafür gedankt.
Ihre Auffassungsgabe und Ihr Gedächtnis funktionieren so schell wie ein Computer, diese sind noch dazu mit überwältigender Arbeitsintensität und deutscher Präzision gepaart. Auch heute starre ich sie oft an. Ein wenig so, wie ein schlechter Schüler über seine gute Antwort in Mathe verblüfft ist. (Ich kenne das Gefühl, ich hatte oft Gelegenheit es zu erleben - übrigens siehe von Frigyes Karinthy "Bitte, Herr Professor").
Mit der Eröffnung der Zweigstelle in Budapest musste ich mich entscheiden, wie die Verbindung zwischen den beiden Büros sein soll. Am einfachsten erschien der konkurrierende Aufbau, das heißt beide Büros verfügen über ein eigenes "Jagdrevier" und eigene Buchführung. Die Arbeit der Büros wird von den Büroleitern mit maximaler Selbständigkeit geleitet, quasi als ihr eigenes Unternehmen (dem entsprechend ist ihr Bonus). Daraus ergibt sich, dass zwischen den Büros eine gesunde Rivalisierung besteht. Der Erlös des Büros in Miskolc war bis 2006 immer höher als der des Budapester Büros. Im vergangenen Jahr geschah es erstmals, dass Budapest die Führung übernahm. In diesem Jahr jedoch scheint es bisher so, dass Miskolc wieder stärker sein wird.
1998 - 2007
Die nächsten paar Jahre sind im Zeichen der Stärkung des Budapester Büros vergangen, was meinerseits hohen Zeitaufwand benötigte. Deshalb habe ich mein "Hauptquartier" nach Budapest verlegt. Im Allgemeinen komme ich - wie auch heute noch - am Montagnachmittag an und fahre donnerstags am späten Abend zurück nach Miskolc. Ich schlafe in meinem Arbeitszimmer, so kann ich die hier verbrachte Zeit außerordentlich gut nutzen. Mit den Verkehrsproblemen der Hauptstadt bin ich auf diese Weise nur in erträglichem Maße konfrontiert.
Der Kundenkreis des Übersetzungsbüros hat sich innerhalb von ein-zwei Jahren sehr gut erweitert, außerdem war eine lange Zeit auch der aus dem Immobilien-Geschäftsbereich stammende Erlös bedeutend. Wir haben uns mit Werteinschätzung und mit der Vermittlung von Gewerbe- / Handelsimmobilien größeren Werts beschäftigt. Die Gutachtertätigkeit wurde von einigen externen Mitarbeitern durchgeführt, während ich die Immobilienmaklerei versah.
Der Geschäftsbereich Übersetzung und der Immobiliengeschäftsbereich haben - sich ergänzend und ausgleichend - die Budapester Zweigstelle ungefähr innerhalb von einem Jahr gewinnbringend gemacht. Das war aber nicht so schwer, weil die Kosten damals nicht einmal in die Nähe des heutigen Niveaus gelangten.
Was das Fach eines Geschäftsimmobilien-Brokers betrifft, sollte derjenige, der sich diesem Beruf verschreibt, über große Ausdauer verfügen und Misserfolge gut wegstecken können. Wegen des engen Portfolios und des fallweisen Geschäftswerts von vielen hundert Millionen oder einigen Milliarden, gelingt es nur selten etwas zu verkaufen. Aber wenn ja, dann herrscht "Königtum". Nach einer Weile jedoch - besonders wenn man die Möglichkeit der Wahl hat - kriegt man es satt, dass man mit ein paar Immobilien manchmal sogar ein-zwei Jahre arbeiten muss, bis es klappt.
Den Rest gab mir aber nicht dieser Umstand, sondern die Tatsache, dass in den letzten Jahren meine Angebote reihenweise "zurückgegrüßt" haben, denn die Kunden haben regelmäßig darüber berichtet, dass sie die von mir vorgestellte Immobilie schon bei dem und bei dem Makler vorgefunden haben. Ich musste also drauf kommen, dass die Energie und das Geld, das für den Immobilien-Geschäftsbereich aufgewendet wurde, unvergleichlich besser und mit größerer Sicherheit in der Übersetzungstätigkeit zu Nutzen führt.
2002 sind wir in Budapest in der Nähe des Kodály körönd , in die 2. Etage eines neu errichteten Wohnhauses, in der Szinyei Merse u. 8, in ein neues Büro umgezogen. Wir haben noch vor dem Bau eine 76 m2 große Wohnung gekauft, so bestand die Möglichkeit, die Pläne unseren Zwecken entsprechend zu ändern. Bei der Auswahl waren der Pförtnerdienst, die Tiefgarage und die Tatsache, dass die Autobahn M3 5 Minuten entfernt liegt, wichtige Gesichtspunkte. In diesem Büro arbeiten mit mir zusammen fünf Personen und das unter ausgezeichneten Arbeitsbedingungen.
2004 hat der Miskolcer Firmensitz ein neues Büro, mit ähnlichem Niveau wie das Budapester erhalten, es liegt nicht einmal 100 m Luftlinie vom früheren Büro entfernt, in einem Gemeinschaftshaus, das in der Széchenyi u. 35 errichtet wurde.
Im Januar 2006 haben wir unsere Zweigstelle in Győr eröffnet. Vor der Eröffnung haben wir zwischen zwei Varianten abgewogen: Die eine Möglichkeit bot sich im Gewerbepark Győr, wo zu diesem Zeitpunkt schon 65 Firmen tätig waren.
Die andere Möglichkeit stellte das Zentrum dar, wo man infolge des Fußgängerverkehrs ein verhältnismäßig schnelles Umsatzwachstum erreichen kann, aber von den hier einkehrenden Auftraggebern kann man keinen derartig durchschnittlichen Erlös erwarten, wie von den Firmen aus dem Gewerbepark.
Ich habe mich für die erste Alternative entschieden und unsere Zweigstelle Győr hat am 1. Januar, im Dienstleisterhaus des Gewerbeparks ihre Tätigkeit aufgenommen.
Von der Umsatzentwicklung wurde jedoch die Richtigkeit der Entscheidung nicht bestätigt, deshalb haben wir nach einem Jahr unseren Mietvertrag gekündigt und kauften im März diesen Jahres vier 20 m2 große Büros im Stadtzentrum, welche völlig renoviert wurden.
Die Zweigstelle Győr ist derzeit noch verlustbringend - obgleich nur noch in geringem Maße. Ich meine, bis zum letzten Quartal wird das Büro schon in der Lage sein, seine Kosten zu erwirtschaften.
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